Wohnen & Recht
Hochwasser, Mure, Sturm: Was Ihre Versicherung bei Naturkatastrophen in Österreich zahlt
Naturkatastrophen sind in der Haushaltsversicherung oft nur mit 3.000–10.000 € gedeckt. Was Sie wissen müssen – besonders im Salzkammergut.
Der Sommer bringt im Salzkammergut nicht nur Sonnentage – sondern auch Unwetter, Starkregen und in manchen Jahren Hochwasser. Viele Hausbesitzer und Mieter glauben, ihre Haushalts- oder Eigenheimversicherung greife automatisch. Die Realität ist ernüchternder: Naturkatastrophen sind oft nur mit 3.000 bis 10.000 Euro gedeckt – ein Bruchteil des tatsächlichen Schadens bei einem Hochwasserereignis.
Was gilt eigentlich als Naturkatastrophe?
Hier liegt die erste wichtige Unterscheidung. Versicherungen teilen Naturereignisse in zwei Kategorien:
Standardmäßig mitversichert (in fast jeder Haushalts- und Eigenheimversicherung):
- Sturm (ab Windstärke 7)
- Hagel
- Blitzschlag (inkl. Überspannungsschäden)
- Schneedruck
Nicht automatisch mitversichert (häufig nur als Zusatzbaustein):
- Hochwasser und Überschwemmung
- Rückstau aus der Kanalisation
- Muren und Erdrutsche
- Lawinen
- Erdbeben
Der Unterschied ist entscheidend: Während ein Sturmschaden am Dach in der Regel problemlos reguliert wird, müssen Hochwasserschäden oft mühsam aus einem Zusatzbaustein geltend gemacht werden – sofern dieser überhaupt abgeschlossen wurde.
Standarddeckung und ihre Grenzen
Viele Haushaltsversicherungen enthalten eine sogenannte Katastrophenklausel, die Naturkatastrophen zwar abdeckt – aber mit einer sehr niedrigen Basisdeckungssumme von oft nur 3.000 bis 10.000 Euro.
Was bedeutet das in der Praxis? Ein Hochwasserschaden im Erdgeschoß kann schnell 20.000 bis 80.000 Euro oder mehr betragen: Bodenbeläge, Möbel, Elektroinstallation, Heizungsanlage, Kellerausbau. Die Standarddeckung deckt das nur zu einem kleinen Teil.
Viele Versicherer bieten daher die Möglichkeit, den Naturkatastrophenschutz auf 20.000 bis 40.000 Euro oder mehr zu erweitern – gegen einen überschaubaren Prämienzuschlag.
Risikozone HORA – wo stehe ich?
Ob und zu welchen Konditionen Ihr Versicherer Naturgefahren absichert, hängt auch von Ihrer Hochwasser-Risikozone ab. In Österreich wird das Risiko nach dem HORA-System (Hochwasserrisikozonierung Austria) in drei Kategorien eingeteilt:
| Kategorie | Bedeutung |
|---|---|
| HQ30 | Hochwasser statistisch alle 30 Jahre – hohes Risiko |
| HQ100 | Hochwasser statistisch alle 100 Jahre – mittleres Risiko |
| HQ300 | Hochwasser statistisch alle 300 Jahre – geringes Risiko |
In HQ30-Zonen verweigern manche Versicherer den Zusatzbaustein für Naturkatastrophen – oder verlangen sehr hohe Prämien. Prüfen Sie Ihren Standort auf hora.gv.at, bevor Sie eine Polizze abschließen oder wechseln.
Im Salzkammergut – entlang von Traun, Ager und ihren Zuflüssen – liegen zahlreiche Ortschaften in klassifizierten Risikozonen. Das macht eine sorgfältige Absicherung besonders wichtig.
Schutz erweitern – das sollten Sie beachten
Wenn Sie Ihren Naturkatastrophenschutz aufstocken möchten, gibt es einige Punkte zu beachten:
- Wartezeit: Viele Versicherer bauen nach Abschluss des Zusatzbausteins eine Wartezeit von 14 bis 30 Tagen ein. Im akuten Unwetterfall kann er also nicht kurzfristig nachgekauft werden.
- Selbstbehalt: Bei Naturkatastrophen-Bausteinen ist oft ein höherer Selbstbehalt vereinbart als beim Grundschutz.
- Wiederbeschaffungswert vs. Zeitwert: Achten Sie darauf, dass Ihre Versicherung im Schadenfall den Wiederbeschaffungswert und nicht den abgeschriebenen Zeitwert ersetzt.
- Eigenheim vs. Haushaltsversicherung: Gebäudeschäden (Mauerwerk, Fenster, Dach) sind über die Eigenheimversicherung abgedeckt; Schäden am Inventar über die Haushaltsversicherung. Für volle Absicherung brauchen Sie beide Polizzen mit entsprechendem Naturkatastrophenschutz.
Katastrophenfonds Österreich
Wer trotz allem ohne ausreichende Versicherung dasteht, kann im Ernstfall den Katastrophenfonds des Landes Österreich in Anspruch nehmen. Dieser springt für Schäden ein, die durch Naturkatastrophen entstanden sind – jedoch nur als Lückenbüßer und mit deutlichen Einschränkungen:
- Es werden üblicherweise nur 20–50 % des Schadens ersetzt
- Die Mittel sind begrenzt und werden nach Bedürftigkeit vergeben
- Der Antrag muss innerhalb einer Frist gestellt werden (je nach Bundesland unterschiedlich)
Der Katastrophenfonds ist keine Alternative zu einer guten Versicherung – sondern allenfalls ein schwacher Ersatz.
Tipps
- Polizze jetzt prüfen: Schauen Sie nach, ob Ihre Haushalts- und Eigenheimversicherung einen Naturkatastrophenschutz enthält – und wie hoch die Deckungssumme ist. Viele Versicherte entdecken die Lücke erst im Schadenfall.
- Deckungssumme anpassen: Schätzen Sie realistisch, was ein Totalschaden im Erdgeschoß kosten würde – Möbel, Böden, Elektrik, Heizung. 10.000 Euro reichen dafür in den seltensten Fällen.
- HORA-Risikozone kennen: Prüfen Sie Ihren Standort auf hora.gv.at und sprechen Sie mit uns, welche Versicherer in Ihrer Zone noch Naturkatastrophenschutz anbieten.
- Fotos vor dem Schaden: Dokumentieren Sie Keller, Erdgeschoß und wertvolle Gegenstände mit Fotos – das erleichtert die Schadensmeldung erheblich.
Unser Tipp
Im Salzkammergut kennen wir die lokalen Risikozonen und wissen, welche Versicherer in welchen Lagen noch zu fairen Prämien absichern. Lassen Sie Ihre bestehende Polizze kostenlos auf Deckungslücken prüfen – bevor das nächste Unwetter kommt.
Persönliche Beratung in Gmunden – wir sind für Sie da.
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